Koerperhaltung_01

Körperhaltung

MotionMiners
Koerperhaltung_02

Lastenhandhabung: Ruhephasen und Wechsel der Körperhaltung

Einleiten von Schritten zur Verbesserung der Arbeitssituation im Hinblick auf die Körperhaltung

Auch im stetigen Wandel der Arbeitswelt gehen weiterhin ein Großteil der Beschäftigten betrieblichen Tätigkeiten nach, die sich durch eine große physische Beanspruchung kennzeichnen.

Vor dem Hintergrund des hohen Anteils von Rückenerkrankungen, die auf einem Ungleichgewicht des Verhältnisses zwischen mechanischen Belastungen und Tragvermögen basieren, ist es notwendig, Arbeitsplätze einer angemessenen Risikobeurteilung zu unterziehen und geeignete Schritte der Ergonomie und der Arbeitsplatzgestaltung, der Prävention und der Rehabilitation zu ergreifen.

Vielfach fallen Lasthandhabung und Tätigkeiten in erzwungenen Körperhaltungen zusammen und betreffen gleichartige muskuläre Gruppen und Skelettstrukturen im gesamten Bewegungsapparat, vorrangig jedoch den Rücken. Eine dauerhafte Verrichtung der Lastenhandhabung in erzwungenen Körperhaltungen kann zu Einschränkungen führen, welche eine sonst einfache Lastenhandhabung ausgeschlossen scheinen lassen.

Lastenhandhabung: Verrichten von manuellen Tätigkeiten in einer erzwungenen Körperhaltung

Definition – Was versteht man unter einer Zwangshaltung (Körperhaltung)?

Vorab ist zu sagen, dass bei einer Gefährdungsbeurteilung stets beide Komponenten (die Lastenhandhabung und die erzwungene Körperhaltung) zu betrachten sind. Die beiden Komponenten (die Lastenhandhabung und die erzwungene Körperhaltung) sind untrennbar miteinander verknüpft und der gemeinsame Auslöser für die Beeinträchtigungen das Beschäftigen.

Durch das regelmäßige schwere Anheben und Transportieren von Lasten in einer sogenannten Zwangshaltung treten in allen Teilen des Körpers Gesundheitsrisiken auf. Von einer Zwangshaltung wird in der Arbeitsmedizin dann gesprochen, wenn eine Aktivität grundsätzlich nur in dieser Körperhaltung verrichtet werden kann und eine Änderung der Körperhaltung praktisch ausgeschlossen ist. Nur durch wechselnde Tätigkeit tritt eine Ruhephase ein.

 

Wird eine Lastenhandhabung in einer „neutralen“ Körperhaltung wie stehend, gehend oder aufrecht sitzend ausgeführt, treten zumeist auch über einen längeren Zeitraum keine Beeinträchtigungen in direkter Folge auf. Ermüdungserscheinungen der Muskulatur treten erst nach Stunden ohne Ruhezeiten auf. Sollte dagegen eine Körperhaltung während einer Lastenhandhabung eingenommen werden müssen, bei der Rumpf, Arme oder Beine nicht in einer „neutralen“ Körperhaltung ausgeführt werden können, ohne Möglichkeit einer Pause oder Änderung der Körperhaltung, treten Ermüdungserscheinungen oder Beeinträchtigungen viel früher ein. Zu den Tätigkeiten zählen beispielsweise das Heben, Tragen, Ziehen oder Schieben von Lasten sowie repetitive manuelle Tätigkeiten oder eine Lastenhandhabung in erzwungener Körperhaltung in den Knien oder in vergleichbaren Zwangshaltungen.

Koerperhaltung_03
Koerperhaltung_04

Lastenhandhabung: Bestimmung von Belastungen während einer manuellen Lastenhandhabung

Genaue Betrachtung der Körperhaltung

Unter manueller Lastenhandhabung wird das Heben, Senken, Tragen, Umsetzen, Halten, Schieben, Ziehen oder ähnliche Bewegungsvorgänge von Gütern mittels eigener Muskelkraft verstanden. Infolge dieser manuellen Lastenhandhabung treten häufig Ermüdungserscheinungen der Muskulatur, generelle physische Ermüdung bis hin zu muskuloskelettalen Beeinträchtigungen und Erkrankungen auf, speziell in der Region der Lendenwirbelsäule und der angrenzenden Muskelgruppen, jedoch ebenso im Bereich des Schulter-Arm-Systems.

Für die Exposition gegenüber mechanischen Beanspruchungen bei der Lastenhandhabung gilt, dass die zu bewältigenden Lasten bzw. die aufzuwendenden Kräfte, das Handling der Lasten, das Verhältnis von Körperschwerpunkt und Position der Belastungen, die Wirkrichtung der Kräfte auf das Objekt, die Körperhaltung und die Bewegung des Körpers beim der Lastenhandhabung, die Wiederholungsfrequenz sowie die zeitliche Dauer des Handlings von Lasten und die Belastungsverteilung und Erholungsphasen im Rahmen jedes Arbeitszyklus bzw. jeder Schicht köperschonend ausgerichtet werden.

Zu berücksichtigen sind zusätzlich die konstruktiven Rahmenbedingungen (z. B. Bewegungsbereich, Stabilität, Betriebsklima, Arbeitskleidung) und sonstige Kriterien der physiologischen Arbeitsgestaltung.

Die Lastenhandhabung kann für den Bereich des Rückens vielfältige gesundheitliche Beeinträchtigungen zur Folge haben. Zu den Belastungsfolgen zählen sowohl akute als auch chronische unspezifische Schmerzen im Rücken. Zudem können Funktionsstörungen und gesundheitliche Beeinträchtigungen des Muskel-Skelett-Systems Folgen von Arbeitsunfällen während der Lastenhandhabung sein, die grundsätzlich ein erhöhtes Unfallrisiko mit sich bringt.

Lastenhandhabung: Einnahme einer körperlichen Zwangshaltung

Vermeidung einer rückenschädigenden Körperhaltung

Unter einer körperlichen Zwangshaltung wird eine Körperhaltung verstanden, welche aufgrund der auszuführenden Tätigkeit über eine lange Zeitspanne mit wenigen Bewegungsmöglichkeiten eingenommen werden müssen. Arbeiten in Rumpfbeuge, im Knien, mit den Armen über Schulter- bzw. über Kopfniveau und im Liegen, erzwungene Sitzhaltungen und Stehen ohne größere Bewegungsmöglichkeit über eine längere Zeit ist die erzwungene Körperhaltung während einer Lastenhandhabung, die zur Beeinträchtig eines Mitarbeiters führen können. Diese Körperhaltungen haben u. a. hohe statische Muskelbelastungen, Druckwirkungen an unterschiedlichen Gewebsstrukturen der Gelenke sowie auch Störungen der Bandscheibenernährung zur Folge.

Parameter wie zum Beispiel:

  • die Körperhaltungen (Rumpf, Hals bzw. Nacken, obere und untere Extremitäten)

  • die aufzubringenden Kräfte

  • der Zeitraum und die Häufigkeit der Wiederholung der belastenden Haltungen

  • die Verteilung von Belastungs- und Ruhezeiten in Relation zur Arbeitsschicht

sind essenziell zur Feststellung und zur Beurteilung der jeweiligen Beanspruchung durch die Zwangshaltungen.

Sollte eine Tätigkeit bei der Arbeit über einen längeren Zeitraum mit einer einseitigen Körperhaltung von der Neutralposition im Gehen, Stehen oder Sitzen ausgeführt werden, kann dadurch eine statische Muskelbelastungen verursacht werden. Tätigkeiten u. a. in Rumpfbeugehaltung, kniender Haltungen und Arbeiten über Schulterniveau sollte möglichst in seiner zeitlichen Dauer und Wiederholung minimiert werden. Es sollte häufig zwischen Sitzen und Stehen variiert werden, so dass einen Wechsel der Körperhaltung und auch ein gelegentlicher Wechsel der Arbeitsposition möglich ist.

Zu jedem Zeitpunkt sollte sich der Körper in einem natürlichen Bewegungsrhythmus bewegen und den natürlichen Bewegungsbahnen folgen. Identische und sich repetitive Bewegungsabläufe sollten so vermieden werden, sie führen zu Beeinträchtigungen, Beschwerden oder Verletzungen der Mitarbeiter. Eine Lastenhandhabung, die eine hohe Präzision- und Genauigkeit voraussetzen sollten mit geringem Kraftaufwand auszuführen sein, hierzu eignen sich Hilfsmittel (z. B. Hebezeuge und Führungen) um bei den Tätigkeiten zu entlasten.

Koerperhaltung_05
Koerperhaltung_06

Motion-Mining® Ergonomieanalysen – Eine Bewertung und Optimierung einer manuellen Lastenhandhabung

Ermittlung der erzwungenen Körperhaltung während einer Lastenhandhabung mithilfe der Motion-Mining® Technologie

Mithilfe von Ergonomieanalysen im Rahmen des MotionMining®-Lösungsansatzes lassen sich Zwangshaltungen während einer Lastenhandhabung aufdecken und optimieren. Durch das Tragen von Wearables (tragbare Sensoren, ähnlich Fitnesstracker) während der Prozessanalyse kann mittlerweile zwischen ca. 60 unterschiedlichen Bewegungsabläufen unterschieden werden. Kritische Bewegungen wie Bücken aus dem Rücken, Tragen, Heben, Halten, Überkopfaktivitäten werden bei der Ergonomieanalyse betrachtet. Diese Bewegungen werden in Bewegungsintervallen, während der Ergonomieanalyse, aufgezeichnet. Neben den typischen Bewegungen können auch Vibrationen und Repetitionen im speziellen erkannt werden. Auf Grundlage der Daten aus der Ergonomieanalyse können Über- und Dauerbelastungen erkannt und Maßnahmen zur Vermeidung abgeleitet werden. Arbeitsprozesse werden, während der Ergonomieanalyse automatisch und anonym erfasst, mithilfe von künstlicher Intelligenz (machine learning) verarbeitet und in menschenlesbare Kennzahlen umgewandelt. Auf Grundlage der Erkenntnisse entwickeln wir einen Maßnahmenkatalog zur Verbesserung des Arbeitsplatzes im Hinblick auf die Ergonomie, sodass erfahrene Mitarbeiter ohne Beeinträchtigung länger in ihren Berufen tätig sein können.