Foto einer Lagergasse von oben
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Wenn das System „pünktlich“ meldet und das Regal trotzdem leer bleibt

„On time.“ So steht es im System. Die Lieferung wurde gebucht, der Auftrag abgeschlossen und die Nachfüllung eingeplant. Dennoch fehlt das Produkt im Regal. Für viele Handelsorganisationen ist das kein Ausnahmefall, sondern trauriger Alltag, der eine Systemlücke aufzeigt, die sich nicht mit besserer Planung schließen lässt. Denn der Grund dieses Problems wurzelt nicht in der Planung, sondern in der Ausführung.

28/5/2026
3
Minuten Lesezeit

Warum Systemdaten im Lager nicht ausreichen

ERP- und Lagerverwaltungssysteme sind unverzichtbar. Sie strukturieren Warenflüsse, steuern Bestände und liefern die Grundlage für Planung und Reporting. Auf dieser Ebene leisten sie genau das, wofür sie gebaut wurden. Aber sie haben eine strukturelle Grenze: Sie erfassen Buchungszustände, nicht aber die Realität.

Im operativen Alltag bedeutet das Folgendes: Ein System bucht den Wareneingang, sobald der Scan erfolgt. Es weiß nicht, dass die Palette danach zwanzig Minuten im Gang stand, weil die Zielfläche belegt war. Es weiß nicht, dass der Mitarbeitende dreimal denselben Weg gegangen ist, weil die Einlagerungslogik nicht zur aktuellen Hallenbelegung passte. Und es weiß nicht, dass an der Übergabe zwischen Wareneingang und Kommissionierung täglich Zeit verloren geht.

Verzögerungen entstehen deshalb selten durch einen einzelnen, klar benennbaren Fehler. Sie entstehen durch viele kleine Abweichungen, die sich im Laufe eines Tages summieren und in keinem Bericht auftauchen, bis sie sich als verfehlter Servicelevel oder leeres Regal bemerkbar machen. Solange Systeme nur zeigen, was passiert, wir aber nicht wissen, warum, bleibt gezielte Optimierung nur Spekulation.

Die Blackbox der manuellen Arbeit

Einer Studie von BOSTONtec zufolge entfällt heute noch der größte Teil der operativen Kosten auf die manuelle Arbeit. Gleichzeitig ist genau dieser Bereich am wenigsten transparent und macht sich im Tagesgeschäft kaum bemerkbar, bis die Zahlen es tun. Durchlaufzeiten schwanken, Servicelevel werden verfehlt, aber die Gründe dafür bleiben diffus, weil sie sich nicht in einer einzigen Kennzahl ablesen lassen. Sie verstecken sich in den Zwischenräumen des Prozesses.

Ein paar Beispiele aus der Praxis: Wege verlängern sich, weil eine Layoutänderung vor Monaten nie wirklich auf ihre Auswirkungen geprüft wurde. Wartezeiten entstehen an der Übergabe zwischen zwei Zonen – nicht, weil jemand zu langsam arbeitet, sondern weil der Takt zwischen den Bereichen nie abgestimmt wurde. Unterbrechungen durch Systemabfragen, Rückfragen oder fehlende Materialien werden zur unbemerkten Routine, die jeden Tag ein paar Minuten kostet. Multipliziert über alle Mitarbeitenden und über alle Schichten kann das einen immensen Kostennachteil bedeuten. Darüber hinaus bleiben sog. “High Performer” oder jene, die besonders effizient arbeiten, unerkannt und die Chance, deren Arbeitsweise zu adaptieren, entfällt. Ebenfalls ein Nachteil der Intransparenz. Diese Effekte erscheinen in keiner Kennzahl. Doch sie entscheiden täglich über Servicequalität, Kosten und Kapazität.

Prozessrealität sichtbar machen: Was Motion-Mining® leistet

Klassische Systeme hören dort auf, wo die eigentliche Arbeit beginnt. Motion-Mining® setzt genau dort an. Mithilfe von Wearables und Bluetooth-Beacons entsteht ein digitales Abbild manueller Prozesse, welches vollständig anonymisiert, DSGVO-konform und ohne Eingriff in die bestehende IT entsteht.  Keine Buchungszustände, sondern echte Bewegungsdaten aus dem Betrieb. Das System erkennt nicht nur, was Mitarbeitende tun, sondern wo, wie lange und wo dabei Zeit verloren geht. Sind schon vorhandene Betriebsdaten verfügbar, können Motion-Mining®-Daten mit z.B. Buchungsdaten aus einem WMS-System angereichert werden und liefern einen noch detaillierten Blick auf das Prozessgeschehen.

Was aus dem „Was, Wo und Wie lange“ abgeleitet werden kann: Ein Kommissionierer legt täglich zwölf Kilometer zurück, aber drei davon wären vermeidbar, wenn vier Artikel anders eingelagert wären. An der Übergabe zwischen Wareneingang und Kommissionierung entsteht jeden Morgen eine stille Warteschleife von acht Minuten, weil die Schichten zeitlich nicht aufeinander abgestimmt sind. Und in einer bestimmten Zone dauert derselbe Prozess bei verschiedenen Mitarbeitenden bis zu 40 Prozent länger. Nicht weil jemand schlechter arbeitet, sondern weil die Wegeführung dort strukturell ungünstig ist.

Diese Erkenntnisse entstehen nicht aus Stichproben oder Beobachtungen. Sie entstehen aus vollständigen Bewegungsdaten über Wochen und ermöglichen damit erstmals eine Optimierung, die nicht auf Vermutungen, sondern auf Fakten basiert.

Agentic Fulfillment: Warum Ausführung zur Entscheidungsgrundlage wird

Agentische Systeme werden die Logistik grundlegend verändern. Sie priorisieren, steuern und lösen Aktionen eigenständig aus. Nicht auf Basis von Tagesberichten, sondern auf Basis der operativen Realität. Doch damit das funktioniert, brauchen sie eine Grundlage, die über Buchungszustände weit hinausgeht.

Ein Agent, der lernen soll, wie ein Lager wirklich funktioniert, braucht Daten darüber, wie Arbeit tatsächlich abläuft: Welche Wege werden gegangen? Wo entstehen Wartezeiten? Wie verändert sich die Kapazität je nach Schicht, Zone oder Auftragslage? Genau diese Daten fehlen heute in den meisten Organisationen, weil es bislang keine Methode gab, sie systematisch zu erfassen.

Motion-Mining® schließt diese Lücke. Die gewonnenen Bewegungsdaten aus dem physischen Betrieb bilden eine belastbare Trainingsbasis für agentische Systeme oder physical AI und legen damit heute den Grundstein für eine Automatisierung, die morgen tatsächlich auf die operative Realität reagieren kann.

Motion-Mining® Technology sheet

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Übersicht über die Funktionen des MPI-Dashboards

Details zur Anonymisierung und Datensicherheit

Technische Spezifikationen der Hardware und Software

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