Prof. Dr. Stefan Geraedts | Fachbereich Wirtschaftswissenschaften | Hochschule Düsseldorf
Er kennt das Rauschen einer Werkshalle genauso gut wie den Hörsaal. Prof. Dr. Stefan Geraedts hat 18 Jahre in der Automobilzulieferindustrie verbracht. 16 davon in der Logistik, zuletzt als Werkleiter. Seit April 2023 gibt er dieses Wissen an der Hochschule Düsseldorf weiter. Und er tut es mit einem Werkzeug, das er bereits in der Praxis erprobt hat: Motion-Mining®.
11.000+ Studierende | 18 Jahre Industrie | 2019 Erstkontakt MM® | 2025 In der Lehre
Das Problem mit der Folie
Prozessanalysen auf der Leinwand zu erklären,funktioniert bis zu einem gewissen Punkt. Dann stößt jedes Lehrbuch an seine Grenzen. „Die klassische Methode der Beobachtungstößt im Hörsaal schnell an ihre Grenzen", sagt Geraedts. Was fehlt, ist das Erleben: derMoment, in dem aus abstrakten Kennzahlen ein realer Prozess wird, den mananfassen, messen und verbessern kann. Genau hier setzt Motion-Mining® an. Die Technologie erfasst Bewegungsdaten über einen Zeitraum, machtProzessabläufe sichtbar und schafft eine Datenbasis, auf der fundierteOptimierungsentscheidungen möglich werden. Für Geraedts war die Entscheidungnaheliegend: Er hatte das System bereits 2019 bei seinem damaligen Arbeitgeber,einem Automobilzulieferer, eingesetzt, um innerbetriebliche Logistikprozesse zuanalysieren. Was er in der Praxis erprobt hatte, integrierte er überzeugt in die Lehre.
Von der Fallstudie bis in die Werkshalle
Heute ist Motion-Mining® fest in zwei Lehrveranstaltungen eingebettet: Operational Excellence und Analytics in Industrie 4.0. Der Aufbau folgt einer klaren Dramaturgie: Zunächst lernen die Studierenden die Methodik kennen. Dann wenden sie diese in simulierten Settings im Hörsaal oder in echten Praxisprojekten mit Unternehmenspartnern selbst an.
Ein Projekt sticht besonders hervor: Im Werk Düsseldorf des Automobilherstellers Mercedes-Benz analysierten Master-Studierende den Staplerverkehr in einer Logistikhalle. Sie erfassten den Ist-Zustand, entwickelten datengestützte Handlungsempfehlungen und präsentierten ihre Ergebnisse schließlich direkt vor der Werkleitung. Kein Planspiel. Kein Übungsbeispiel. Echte Verantwortung, echte Daten, echte Wirkung.
„Mit Motion-Mining® sehen meine Studierenden, was Prozessoptimierung wirklich bedeutet. Nicht auf der Folie, sondern in echten Daten.“
Prof. Dr. Stefan Geraedts, Hochschule Düsseldorf
Die drei Aha-Momente
Geraedts erinnert sich an mehrere Schlüsselszenen aus seinen Lehrveranstaltungen. Momente, die im Gedächtnis bleiben, weil sie etwas aufdecken, was kein Lehrbuch in der Form vermitteln kann. Drei Personen, drei Antworten:
1. Der Ist-Prozess, den alle zu kennen glauben, existiert in drei verschiedenen Versionen.
2. In fast jedem Prozess steckt Optimierungspotenzial, das erst sichtbar wird, wenn es mithilfe von Daten visualisiert werden kann
3. Prozessoptimierung betrifft oftmals Menschen und deren Einbindung ist kein Nice-to-have, sondern essenziell.
Kompetenzen, die zählen
Was nehmen Studierende aus diesen Projekten mit? Geraedts beschreibt eine klare Verschiebung: weg von der reinen Beobachtung, hin zur datengestützten Argumentation. Wer gelernt hat, Prozesse zu messen und Verbesserungen fundiert zu begründen, denkt anders: strukturierter, genauer, überzeugender. Hinzu kommen Kompetenzen, die sich im Hörsaal nur schwer vermitteln lassen:
Teamfähigkeit, Selbstorganisation, Kundenorientierung, zielgruppengerechte Kommunikation. „Mit diesen Kompetenzen sind die Studierenden sehr gut für den Arbeitsmarkt gerüstet", sagt Geraedts.
Aktuell untersucht ein Student im Rahmen seiner Master-Thesis mit Motion-Mining® die Kommissionierprozesse im Versandlager eines international tätigen Handelsunternehmens – vollkommen eigenständig.
Sein Rat an andere Hochschulen
Rat Nr. 1: Klein anfangen.
Es gibt Fallstudien mit echtem Anwendungsbezug, die ohne Hardware auskommen und nur der Zugang zur Motion-Mining® Plattform (MPI) benötigt wird.
Rat Nr. 2: Nicht auf das perfekte Konzept warten.
Lieber mit einer Pilotveranstaltung beginnen, dort wo Lean Management, Operational Excellence oder Produktion & Logistik ohnehin schon auf dem Lehrplan stehen. Die Studierenden arbeiten sich schnell ein und erzielen rasch erste Ergebnisse. Was Geraedts in anderthalb Jahren Hochschuleinsatz beobachtet hat: Die Technologie funktioniert. Die Studierenden kommen mit ihr zurecht. Und die Momente, in denen sie zum ersten Mal sehen, was hinter einem Prozess wirklich steckt, bleiben haften, weit über das Semester hinaus.
Die Hochschule Düsseldorf ist eine der größten Fachhochschulen in NRW und unterhält enge Partnerschaften mit Wirtschaft, Industrie, Kultur und Sozialwesen. Prof. Dr. Stefan Geraedts lehrt dort seit April 2023 mit dem Schwerpunkt Lean Management und Operational Excellence.